













Königsfeldener Gürtel
Der reich verzierte Prunkgürtel wurde 1891 bei Restaurierungsarbeiten in der Klosterkirche Königsfelden entdeckt. Er befand sich am Skelett eines in der Schlacht bei Sempach 1386 gefallenen Ritters – mutmasslich Friedrich von Greifenstein – und wurde dem Toten als Grabbeigabe um die Hüfte gelegt. Von Greifenstein war einer der reichsten und bedeutendsten Vasallen des Herzogs in Tirol, der im Besitz eines ausgedehnten Herrschaftsgebietes mit mehreren Burgen war. Das ursprüngliche Textilband war bei der Auffindung nur noch fragmentarisch erhalten und wurde Ende des 19. Jahrhunderts ersetzt. Auffällig sind die silbervergoldeten Beschläge in Form hohler Halbkugeln sowie die kunstvoll gefertigte Schnalle, die bei der Restaurierung irrtümlich verkehrt herum angebracht wurde. Nach seiner Entdeckung gelangte der Gürtel zunächst in das Kantonale Antiquarium in Aarau und später ins Museum Aargau. Um 1900 wurde er mehrfach restauriert. Zusätzlich fertigte der Luzerner Goldschmied und Kunsthändler Johann Bossard eine Kopie für das neu gegründete Schweizerische Landesmuseum in Zürich an. Auf den Fresken der Sempacher Ritter in Königsfelden sind auffällige Schild oder Schwertgurte zu erkennen, die vom Rücken hinunterhängen. Diese Gürtel werden von der heutigen Forschung als militärische Gürtel identifiziert, im 19. Jh. fälschlicherweise jedoch als Insignium des Zopfordens von Herzog Albrecht III. von Österreich. Auf dieser Basis wurde der Prunkgürtel früher als Ordensband des Zopfordens gewertet. Allein die Positionierung des Prunkgürtels um die Hüfte spricht gegen diese Identifizierung. Aktuelle Studien lehnen eine Zuordnung der Sempacher Ritter zum Zopforden eindeutig ab. Generell passen weder diese Darstellungen noch der Prunkgürtel zu den bekannten Abbildungen von Zopfordens Insignien. Dieses Objekt gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Stücken der Sammlung des Museum Aargau.
Inventarnummer: K-709
Personen/Körperschaften: Friedrich von Greifenstein (1386), Besitzer:in
Datierung: um 1386
Material: Silber, Textilien
Technik: Feuervergoldet
Gattung: Schmuck
Masse: 150 cm